Band III

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Joval und Würfel:
Würfelhäuser

Würfelhaus

Eines der vier Würfelhäuser von Jupolis    [G]

Ein Würfelhaus ist somit vergleichbar mit einer Bank. Vier davon gibt es in Jupolis, und darin werden keineswegs nur die Würfel aus dem Besitz der jetzigen Einwohnerschaft der Stadt aufbewahrt (dazu bräuchte es nicht derer vier), sondern auch uralte Würfel, die schon die Ahnen, ja Urahnen angesammelt hatten. Jeder in Frühzeiten von einem Jovianer aufgefundene Würfel ist in einem dieser Würfelhäuser verwahrt. Die allermeisten davon gehören längst niemandem mehr, denn ein Erbrecht gibt es nicht. Sie sind also gewissermaßen Gemeinschaftseigentum – ohne Nutzen, ohne Wert, aber unvermindert hochgehalten. Man sagt sich vielleicht, dass sie eines Tages doch noch irgendwann für irgendwas gut sein könnten. Und was sollte man schon mit ihnen machen, außer aufheben. Wegwerfen, vernichten kann man einen Würfel jedenfalls nicht. Schon gar nicht, nachdem man all die Würfel der Vorfahren in einem beispiellosen Transportverfahren vom Rumpelmond[1] auf den Jupiter verfrachtet hatte.

Um den Würfel-Tick der Jovianer halbwegs zu verstehen, muss man sich den Gold-Tick der Menschheit in Erinnerung rufen. Oder den mit den Edelsteinen. Wobei der Vergleich hinkt, denn all dies ließe oder lässt sich ja in Geld einwechseln, was bei den Jovis mangels Geld nicht geht. Bei uns also ist jemand reich, der eine entsprechende Menge dieser Materialien sein Eigen nennt; ein jovianischer Würfelbesitzer ist es nicht.
Aber man muss doch einräumen, dass auch Würfelbesitz nicht ganz ohne Auswirkungen bleibt, nicht ganz ohne gesellschaftlichen Vorteil ist.
Die jovianischen „Banken“ haben nämlich auch ihre „Direktoren“, nur werden sie hier „Hüter“ genannt. Und die vier Würfelhaushüterinnen (es sind derzeit allesamt Damen) gehören zu den angesehensten Personen der Stadt, denn sie werden von der Jupolizei[2] ausgewählt. Und ein kleiner Teil vom Abglanz ihres Ansehens[3] fällt auch auf diejenigen, die mit ihnen verkehren. Womit jetzt einfach all diejenigen gemeint sind, die mit ihnen zu tun haben. Und wer einen oder mehrere Würfel im Würfelhaus liegen hat, will auch immer wieder mal nach seinem Prachtstück sehen – und wird, mit etwas Glück, dabei zusammen mit der Hüterin gesehen, und schon steigt auch sein Ansehen ein kleines bisschen. Man muss nur aufpassen, dass man es nicht übertreibt, denn wenn auffällig wird, dass man es darauf anlegt, möglichst oft mit der Hüterin gesehen zu werden, verkehrt sich alles ins Gegenteil, und mit dem eigenen Ansehen geht es wieder bergab.

Verschiedentlich wird gefragt, wie denn die würfelförmigen Gebäudeteile um die Würfelhäuser herum und oben auf dem Dach zustande gekommen seien, wo sich der Jovianer doch so schwertue mit der Formung von Würfeln. Das wissen wir nicht. Aber es fällt auf, dass keiner dieser Würfel an allen Seiten vollständig ist. sondern immer irgendwo in einer Rundung aufgeht. Die Konstrukteure dieser Gebilde haben es also wohl geschafft, bis zu fünf Würfelseiten darzustellen, aber nie alle sechs.

Würfelhäuser haben noch eine weitere Funktion, die mit Würfeln gar nichts zu tun hat, sondern vermutlich eher mit der Vertrauensstellung ihrer Direktoren: Sie dienen auch als eine Art Notariat. Man kann hier „Beweisstücke“ hinterlegen. Bekanntestes Beispiel hierfür sind die persönlichen „Siegel“, d. h. Namenszeichen für die sogenannten Empfehlungen, die im Artikel „Das Ansehen“ beschrieben sind.

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[1] ^ „Rumpelmond“ ist ein Beiname der Io[4].

[2] ^ Zu den Aufgaben der Jupolizei s. Seite Aufgaben der Jupolizei in Artikel Gesellschaftsordnung hier in Band III.

[3] ^ Das Ansehen (die Wertschätzung) ist das „Kapital“ des Jovianers, der ja kein Geld kennt. Näheres s. Artikel Das Ansehen hier in Band III.

[4] Die Io, oft auch Heimat-, seltener Rumpelmond genannt, ist der innerste der vier größten, sog. Galileischen Monde des Jupiters. Von hier stammen die Jovianer ursprünglich.